DER BRIEF

                

                      

                   Diese Geschichte unterliegt dem Copyright von Danielle G-P. Geschrieben am 14 Februar 2004

Es war dieser Brief, der ihre Aufmerksamkeit, immer und immer wieder, auf sich zog. Wie gebannt starrten ihre Augen auf ein Blatt Papier, lieblos aus einem Block gerissen. Das Geschriebene galt tatsächlich ihr, auch wenn sie es nicht wahr haben wollte.

Aber dort oben, da, wo noch die Überreste, wie kleine Zähne an dem abgerissenen Bogen hingen, prangte ihr Name.

Nicht Mein Liebling, kein Hallo Süße, nein, kurz und bündig, M I A!! Fertig, Punkt, Aus!

Zugegeben, ihr Name machte nicht viel her, auf einem 4Dinar Blatt, aber noch nie zuvor, war ihr das so bewusst, wie gerade Jetzt, in diesem Moment! Streng und frostig, thronten die drei Buchstaben, wie rabenschwarze, hungrige Geier auf der Botschaft und ließen Schreckliches erahnen.

M I A!

Sie hasste urplötzlich ihren Namen! Wer hatte letztlich damals entschieden? 

Schien dieser Name nicht eher so kurz entschlossen, weil nichts anderes gerade zur Verfügung stand? Wieso hatten Kinder eigentlich kein Recht auf Mitbestimmung, wenn es um ihren Namen ging, schließlich mussten sie doch ein Leben lang, diesen Makel mit sich rumschleppen.

Marie-Christine, das war ein wohlklingender Name, ja, der machte was her!

Oder Annemarie-Sophie, wie ein Adelstitel auf einem Pergamentbogen mit Siegel und goldener Unterschrift, keine drei Buchstaben herzlos auf einen Fetzen Papier gekleckst.

M I A!

Es kostete sie eine Menge Überwindung, den Brief in ihre zittrigen Hände zu nehmen.

In ihrem tiefsten Innern, sträubte sich alles dagegen, diesen Worten Aufmerksamkeit zu schenken und doch war ihr bewusst, wie groß der Schmerz auch sein würde, die Ungewissheit, der letzten Wochen, war die Hölle, schlimmer konnte es nicht werden.

Schlimmer als die Kälte und die Einsamkeit der letzten Nächte, nein, noch schlimmer konnte nur noch der Tod sein.

Mutig begann sie Wort für Wort in sich aufzunehmen, während sich ihre Augen trübten und die Buchstaben immer mehr verschwammen. Mit jedem Satz spürte sie erneut die tiefe Schneide eines Messers in ihr Herz dringen, bis sie glaubte keine Luft mehr zu bekommen.

                                                            

M I A!

Ich ziehe aus und werde nicht mehr wiederkommen, warte nicht mehr auf mich.

Du kannst alles behalten, ich werde ein neues Leben anfangen. Ich liebe sie und kann das nicht alles hinter mir lassen. Ich muss dieses Risiko eingehen. Wir zwei das war sowieso schon lange vorbei! Irgendwann hätten wir uns doch nur noch angeödet. Hole meine restlichen Sachen, wenn ich kann! 

 

Er versetzte ihr ohne mit der Wimper zu zucken den Gnadenstoss, nach 16Jahren.

Wie gelähmt, keines klaren Gedanken mächtig, glitt sie auf den Stuhl. Ihre Lippen bebten, vor Zorn, Demütigung und Enttäuschung, immer wieder das gleiche Worte ausstoßend: Wieso?

Er wollte ein neues Leben anfangen, wo ihres doch gerade zusammenbrach.

Sie konnte alles behalten, - was sollte sie mit all dem Schrott? Als wenn Materielles, ihren Schmerz in irgendeiner Art und Weise hätte lindern können.

Er liebte Sie!!!!! Und sie nicht mehr??

Wie war es möglich jemanden von heute auf morgen nicht mehr zu lieben??

Er wollte das nicht alles hinter sich lassen!

Was zum Teufel???? Zwei Wochen, voller Leidenschaft, mit einer Frau, die er nicht mal kannte!!?

Was waren dagegen schon 16 Jahre voller inniger Liebe??

Mit ihnen Das, das sollte schon lange vorbei gewesen sein??

Das! Wie sich das schon anhörte!

Was war Das?

Genau wie ihr Name, nur drei unbedeutsame Buchstaben, auf recycliertes Papier geschmiert?

Ein Geschwür, das herausoperiert werden musste oder vielleicht ein Wurmbefall, den man schnellstens das Klo runterspülen möchte?

Für sie war Das Alles!! Das ganze Leben! Eine Liebe die so tief war, dass sie sich amputiert fühlte, jetzt wo er weg war.

Dabei konnte sie immer noch seine Haut, seine Lippen und seine heißen Küsse auf ihrem Körper spüren!

Ob Sie wohl wusste, dass ihr Geliebter, noch vor einigen Tagen mit seiner Frau, hemmungslosen Sex hatte. Mit der Frau, die ihn eines Tages irgendwann einmal angeödet hätte. Wann würde es bei ihr soweit sein???

Mia konnte sich nicht verkneifen, diesen Tag herbei zu sehnen!

Wie würde sie weiterleben können, mit dem Gedanken, dass er nie wieder zu ihr zurückkam, sie nie wieder berührte, nie mehr küsste, in den Arm nahm???

Wie konnte sie weiterleben??

Sie wusste es nicht!

„ Sag mir wie du aufgehört hast mich zu lieben, ich möchte Das auch können „

Sie fühlte nur eine unendliche Traurigkeit, die sich ihrer bemächtigte und den Wunsch zu sterben.   

                 

                                                            



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